Shapira hat 500 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg Teile der Bibel neu übersetzt. Die 19 Unterkapitel von "Holyge Bimbel" tragen Namen wie "Towerbau zu Basel", "Adolf U Eva" und "Jesus Chrispus IVIER: das Impressium schlägt zurück". Nein, da ist kein Tippfehler drin. Sie heißen tatsächlich genauso.

Die Kapitel übertragen die Grundgeschichte der Bibel in eine Sprachform, die seit einem guten Jahr im deutschsprachigen Internet äußerst populär ist: Es handelt sich dabei um eine wirre Mischung aus geschriebener und gesprochener Sprache, die deutsche Wortbestandteile mit englischen verbindet, Mengen bevorzugt in Ziffern angibt und durch groteske Bezugs- und Rechtschreibfehler auffällt. Ein zentrales Merkmal - vong Auffälligkeit her - ist zudem das angehängte Substantiv, das mit "vong" eingeleitet und mit "her" abgeschlossen wird. Das ist herrlich falsch und gerade deshalb Ausdruck moderner Internet-Ironie: Man hält etwas absichtlich für richtig, von dem man weiß, dass es nicht stimmt. Wer auf diese Weise spricht, fühlt sich zugehörig und verstanden - von den anderen Internet-Ironikern.

Das erste Buch Mose ist in "Holyge Bimbel" etwa als "Gangesis" überschrieben und beginnt mit diesen Worten: "Im Anfang war die Universe leer u schwarz wie 1 coke zero am bimsen, also buildete Gott 1 Earth u 1 Heaven. Aber die Earth war dark wie 1 Berghain u needete 1 Boss-Transformation..."

Die "Holyge Bimbel" ist nicht das einzige Beispiel dafür, wie die Vong-Sprache seit Kurzem ihren Weg aufs Papier findet. Die Buchverlage haben den Sprachtrend entdeckt. Shapira hat sich nun für sein Vong-Buch ein Thema ausgesucht, das zunächst unpassend erscheint, aber gerade deswegen so großartig ist. Wer das Buch wirklich verstehen will, muss die Grundideen beider Welten kennen. Shapiras "Holyge Bimbel" ist also ein Buch, das vor allem diejenigen genießen können (tränenlachender Smiley), die sowohl wissen, wer Kain und Abel sind, als auch die Facebook-Seite kennen, die die Vong-Sprache populär gemacht hat.

Ganz klar ein Weihnachtsgeschenk für meinen Sohn Anton. Nicht nur für 'Denglisch'-Fans ein Muss. Die Sprache ist einfach grandios, doof und lustig.

Thomas Langfeld

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